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Über die Wichtigkeit des Faulenzens

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*) Bildnachweis: By Geoff Gallice (http://www.flickr.com/photos/dejeuxx/6360289637) [CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Keto und Paleo ist mittlerweile weit mehr als nur eine Ernährungsweise. Mittlerweile wird mancherorten sogar vom „Keto Lifestyle“ gesprochen. Ich finde das konsequent und gut. 

 

Manchmal wird uns „modernen Steinzeitmenschen“ ja vorgeworfen, daß wir versuchten, „so wie in der Steinzeit zu leben“. Verkehrter könnte dieses Verständnis nicht sein. Nichts liegt uns ferner als das. Wir sind lediglich von der Wirksamkeit und Gesundheit der Paleo-Methode überzeugt und wollen sie deshalb in die Neuzeit transportieren. Also ein Leben in der Moderne, aber mit den Vorzügen ursprünglicher Ernährung und Aktivitätsmuster. Was mich zum Thema bringt:

 

Nichtstun ist so wichtig wie Sport.

 

Wiederum dient mir die (vermutliche) Lebensweise unserer steinzeitlichen Vorfahren als Vorlage. Soweit uns das Verhalten heute noch lebender Jäger- und Sammlervölker bekannt ist, verbringen sie im Schnitt zwischen zwei und höchstens vier Stunden am Tag mit der Nahrungssuche und -zubereitung. Wohlgemerkt, dies ist der gesamte Zeitaufwand, verteilt auf sieben Wochentage. Realistischerweise gibt es zwei oder drei Jagdtage in der Woche, der Rest… ist Zeit für Nichtstun und Spielen.

 

Bei heutigen Jäger- und Sammlergemeinschaften gestaltet sich der Tagesablauf vermutlich ähnlich wie zur Zeit unserer Vorfahren: Jagen und Sammeln ist ein Muß, aber es steht jedem Stammesmitglied frei, an der Jagd teilzunehmen. Der Sinn für individuelle Freiheit ist, glaubt man den Völkerkundlern, so stark ausgeprägt, daß es uns „Zivilisierten“ fast schon extrem vorkommen könnte. Interessanterweise gibt es trotzdem wenige Fälle in den Stammesgemeinschaften, die diese Freiwilligkeit ausnutzen. Wenn ein Jäger und Sammler an einem bestimmten Tag nicht ausrücken will, steht es ihm frei, das zu einer anderen Zeit zu tun. So stellt die Jagdgemeinschaft auch sicher, daß jeder Jäger aus freien Stücken dabei ist — was sicherlich die Wirksamkeit und auch den Spaß (Spielen!) innerhalb der Gruppe steigert. Das Leben unserer Vorfahren sah also, zumindest ist das momentaner Stand der Forschung, trotz aller Gefahren um einiges entspannter aus.

 

Einer der Gründe dafür ist sicherlich auch das Nichtstun. Wenn für das Essen gesorgt war und sonstige Verpflichtungen erledigt waren, hatten unsere Vorfahren Zeit für sich. Zeit, um nichts zu tun, zu träumen, sich mit Freunden zu treffen, zu spielen. Zeit abseits von Aktivität.

 

Eigentlich können wir nicht von einem Gleichgewicht zwischen „Arbeit und Spiel“ sprechen — im Falle der Steinzeitmenschen hatte das Spiel/Freizeit-Element einen deutlichen Überhang. Vergessen wir also die vielgerühmte „Work-Life-Balance“. Unser Augenmerk sollte eher auf der Freizeit und dem Faulenzen liegen.

 

Wie können wir dieses urzeitliche Schema in die Neuzeit übernehmen?

 

Meine ersten Interpretationen und Versuche gingen in die Richtung, es radikal dem dem Zufall zu überlassen, ob und wann ich was trainieren muß. Der erste Prototyp dieses Trainings ist seit ungefähr zwei Jahren fertig gestellt, aber ich feile immer noch dran. Sobald ich damit zufrieden bin, werde ich berichten. An „trainingsfreien“ Tagen mache ich wirklich nichts, vielleicht gehe ich mal spazieren oder mache ein bißchen was im Garten. Ansonsten: faulenzen, lesen, meditieren, basteln oder spielen.

 

Für mich persönlich ist das die bestmögliche Annäherung an die Lebensweise der Steinzeit. Gleichzeitig ist es, wie so vieles im neuen gesunden Leben, ein Experiment, aus dessen Ergebnissen ich meine Erfahrungen ziehe. Bis jetzt sind meine Ergebnisse ausschließlich positiv.

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