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Positives Denken ist nicht realistisch: Wie du deinen inneren Kritiker besiegst

Unser Gehirn ist ein Muskel. Je mehr wir es trainieren, desto fitter wird es. Das gilt nicht nur für Denksport-Aufgaben, sondern auch für unser Wohlbefinden. Mittlerweile gilt es als bewiesen, daß wir unsere Gehirnchemie innerhalb gewisser Grenzen verändern können, indem wir unser Gehirn trainieren. Gehirnforscher haben sogar festgestellt, daß wir durch Meditation unsere DNA verändern können. 

 

Um schlicht und einfach glücklicher zu sein (was nicht bedeutet, immer und überall glücklich zu sein, sondern eine bessere Grundstimmung zu haben), gibt es einige Methoden, um unseren inneren Kritiker in seine Grenzen zu verweisen.

 

„Der innere Kritiker“, so bezeichne ich die negativen Gedanken, die wir uns selbst gegenüber haben. Gedanken, die uns boykottieren und uns nicht gut tun. So bringen wir uns selbst dazu, den ständigen Beschwerden unseres inneren Kritikers ein Gegengewicht zu setzen:

 

1) Sei achtsam. Achtsamkeit ist der erste Schritt zur Besserung.

 

Pass mal auf, wie viele negative Gedanken du mit sich herumträgst. Es ist erstaunlich. Vielleicht kommt dir der ein oder andere Satz bekannt vor: 

„Ich bin zu schwach.“
„Ich bin so fett.“
„Ich habe keine Ausdauer.“
„Ich schaffe das nie.“
„Ich bin so doof, jetzt habe ich wieder XYZ vergessen.“

 

2) Setze jedem negativen Gedanken einen positiven entgegen.

 

Das kann anstregend sein, vor allem am Anfang. Aber nur so veränderst du die Hormon-Ausschüttung deines Gehirns zum Besseren. Sei geduldig. Das hier ist Training. Nur Übung macht den Meister.

 

Setze diese Neutralisierungs-Technik auch bei Kritik von anderen ein. Beispielsweise:

 

Kritiker: „Sie sind unfähig, Schmid!“
Schmid (in Gedanken bei sich): „Nein! Ich bin fähig. Ich kann das. Und wenn ich es noch nicht so gut kann, dann lerne ich es.“

 

3) „Positives Denken“, wie die meisten Leute es verstehen, macht uns unglücklicher.

 

Es gibt Untersuchungen darüber, daß positive Denker, die ihr „großes Ziel“ positiv formulieren (auch solche, die positives Denken mit Visualisierung kombinieren), im Schnitt erfolgloser sind als „realistisch positive“ Denker, die TEILZIELE positiv formulieren. Wenn wir heute „positives Denken“ hören, haben wir Mitmenschen im Sinn, die mit rosarot getönten Brillen durchs Leben laufen und sich alles schönreden. Das ist nicht realistisch, und führt (wie oben erwähnt) sehr oft nicht zum Ziel. Als Folge davon werden viele Menschen noch unglücklicher.

 

Wir sind nicht blöd — wenn wir Übergewicht haben, dann merkt unser Unterbewußtsein sofort, daß wir es verschaukeln wollen, wenn wir ständig „Ich bin schlank, ich bin schlank, ich bin schlank“ denken. Der Kontrast zwischen dem, was tatsächlich ist, und dem, was wir sagen, ist einfach zu groß. Deshalb: Das bringt nichts.

 

Die Forschung zeigt eindeutig, daß wir besser bedient sind, wenn wir unser „großes Ziel“ (abnehmen, stärker werden, Kondition bekommen, was auch immer) in kleine Teilziele einteilen und diese Ziele a) positiv formulieren UND b) tätig werden.

 

Beispiel:

„Ich bin so dick“ — bringt dir nichts. Also:
„Ich kann 1 Kilogramm abnehmen und ich werde das auch tun“ — ein Teilziel. Nun hast du dein „positives Denken“, also ab mit dir ins TRAINING! Positiv denken alleine bringt nichts, wenn du nichts TUST. Wenn du dieses Teilziel erreicht hast, setze ein neues und wiederhole den Vorgang.

 

4) Ein kleiner Wort-Trick für bessere Stimmung

 

Wenn du dich dabei ertappst, wie du schlecht über dich selbst urteilst, setze einen neuen Satz mit dem Wörtchen „aber“ dahinter, in dem du beschreibst, wie es besser werden kann. Aus „Ich bin so dick“ könnte beispielsweise werden „Ich bin zwar dick, aber es gibt viele Leute mit meiner Statur, die ebenfalls zehn, zwanzig Kilo abgenommen haben!“

 

5) Sei geduldig

 

Für mich als Meditationslehrer ist dieser Punkt einer der wichtigsten. Und zugleich einer, mit dem die meisten Menschen Probleme haben. Sei nicht so streng mit dir selbst. Gib dir etwas Spielraum. Sei geduldig. Auch die Reise von 10.000 Schritten beginnt mit dem ersten, heißt es so schön im Zen-Buddhismus. 

 

Geh den ersten Schritt. Und dann den zweiten. Und den dritten. Sei geduldig. Du wirst ankommen.

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